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Rezension: Peter J. König: Nie die Lust aus den Augen verlieren- Lebensthemen- Ulrich Wickert- Hoffmann und Campe

Ulrich Wickert besonders vorzustellen, heißt eigentlich "Eulen nach Athen tragen". Und doch ist es eine Hommage an ihn, seine journalistische und schriftstellerische Tätigkeit noch einmal Revue passieren zu lassen, so wie sein neustes Buch: "Nie die Lust aus den Augen verlieren" es höchst interessant vermittelt. Wickert gilt noch heute, obwohl schon einige Jahre seiner beruflichen Tätigkeit als Moderator der Tagesthemen in der ARD passé sind, als der Journalist, den die Deutschen mit am meisten lieben und vertrauen. Dies liegt nicht allein an seiner entspannten, ruhigen und bisweilen ironischen Art, der weltläufige Journalist hatte zumeist ein gutes Näschen für aktuelle Themen in Politik und Kultur besessen, um dies seinen Zusehern und Zuhörern anschaulich zu vermitteln. 

Ulrich Wickert ist Weltmann und als solches ist er prädestiniert die großen Zusammenhänge zu erkennen und sie aus seiner Warte aus zu erklären. Seine journalistischen Stationen haben ihn rund um den Globus gebracht, ob in die USA, nach China, Frankreich oder sonst wo hin. Als Sohn eines bekannten Diplomaten hat er das Kosmopolitische mit der Muttermilch eingesogen, und selbst im diplomatischen Dienst anzuheuern, schien vorprogrammiert. Sein Studium der Politischen Wissenschaften und der Juristerei in Bonn war da nur eine notwendige Zwischenstation, die ihm aber bewusst machte, dass die Neugierde und diese zu stillen sein eigentliches Ziel war. So landete er nach bestandenem Examen und auf der Suche nach einer bezahlten interessanten Tätigkeit beim WDR in Köln und als freier Mitarbeiter bei der Sendung "Monitor", dem Beginn seines Fernsehschaffens. 

Publiziert hat Ulrich Wickert schon mit 14 Jahren, als er als Schüler in Paris einen Artikel über den Eiffelturm verfasste. Hier in Paris begann auch seine Liebe zu dieser Stadt, den Franzosen und Frankreich zu wachsen, die ihn nie mehr losgelassen hat. So kam es, dass in seinem Herzen zwei Lieben sich verbanden, zwei Kulturen ihn geprägt haben, die deutsche und die französische. Wir alle kennen seine wunderbaren Reportagen über das Leben in Frankreich, seien es die mondänen aus Paris oder an der Cote d´Azur oder die stillen, nachdenklichen vom Leben in der französischen Provinz und ihren liebenswerten Besonderheiten, wobei man zu erkennen glaubt, dass es gerade diese Erfahrungen sind, die ihn zu einem französisch-geprägten Deutschen gemacht haben. Welch wunderbare Symbiose, zumal er jeweils die besten Seiten dieser Kulturen lebt. So ist es nicht verwunderlich, dass er als Vermittler und Botschafter beider Nationen geliebt und anerkannt wird. 

Die Franzosen schätzen besonders seinen Sinn für das "savoir vivre", sodass er für diese Intention von ihnen höchst dekoriert wurde, seine Aufnahme in der Gilde der allerbesten "Maitre fromager affineur" für französischen Käse zeugt davon und vieles anderes mehr. Die Deutschen hingegen schätzen sein kosmopolitisches Wissen, seine schriftstellerische Produktivität, die zu einigen Bestsellern geführt hat, aber auch seine entspannte Lockerheit, sein kühler Charme und seine angenehme Ausstrahlung, die nie anbiedernd, doch immer verbindlich ist. Die deutsch-französische Freundschaft ist sein Thema und er lebt sie bedingungslos. Wen wundern da, dass sich der frankophile Hanseat mit einer Bleibe auf den Hügeln in der Nähe von Vence oberhalb der Cote d´Azur geerdet hat. 

Hier spürt er dem Zeitgeist nach, der die einfachen Franzosen so umtreibt. Die großen politischen Strömungen erfährt er von seinen vielen Freunden aus der Zeit als er Fernsehkorrespondent in Paris war oder auf offiziellen Einladungen der französischen Staatsspitze. Ulrich Wickert ist auch mit fünfundsiebzig ein überaus gefragter Mann, sei es in Talk-Shows, bei Symposien oder bei Staatsbesuchen französischer Präsidenten in Deutschland oder wenn der Bundespräsident oder die verschiedenen Kanzler oder die Kanzlerin in Paris zur Visite weilen. Wickert ist dann stets ein gern gesehener Gast, und es ist ihm immer ein Anliegen, seine Eindrücke aus der Sicht eines "Deutsch-Franzosen" zu vermitteln. Seine Leidenschaft für Kriminalromane hat er nicht alleine durch das Lesen befriedigt, nein er hat selbst welche geschrieben, gleich sechs davon, höchst erfolgreich, und alle handeln vom Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou, einem Individualisten, Wickert nicht unähnlich.

In Wickerts neustem Buch "Nie die Lust aus den Augen verlieren", zeigt bereits der Titel, wie der Journalist tickt. Seine Maxime: Bei allem Verdruss des täglichen Lebens sollte man jedoch niemals die Lust am Leben in all seinen wunderbaren Facetten außer Acht lassen. Da sind die Franzosen den Deutschen bei weitem voraus, und doch ist die Erkenntnis "Leben und leben lassen" ein unverzichtbares Element in den Augen dieses erfahrenen Europäers. Dass dieser auch die Kehrseiten kennt und benennt, hat er in einigen sehr beachteten Sachbüchern thematisiert. Dabei liegt Ulrich Wickert Ethik und Moral, Gesetzestreue und Philosophie zutiefst am Herzen, seine intellektuellen Ausführungen in seinen Büchern zeugen davon. Das aktuelle Werk nun gibt einen wunderbaren Einblick in das facettenreiche Schaffen des Autors. 

Episoden aus seinen Büchern werden verbunden mit bisher nicht veröffentlichten Erzählungen und Erlebtem aus seiner Zeit als Korrespondent an verschiedenen Orten. Interviews z.B. mit Politikern wie Richard von Weizäcker und Schriftsteller wie Günther Grass zeigen die Vielseitigkeit des Journalisten und auch ganz besondere Geschichten, wie etwa das Leben des deutschen Arztes, der zum Führungskader der chinesischen Volksversammlung avancierte, sind absolut lesenswert. Ganz besonders beeindruckend sind seine philosophischen Gedanken die im Buch einen breiten Raum einnehmen, immer auch in Anlehnung an seine früher verfassten Einlassungen. 

So ist eine sehr beachtliche Bandbreite von Ullrich Wickerts Leben und seinem Denken hier entstanden, die zeigt, das bei aller Lust zum Leben die Tiefe des Denkens und der ethischen Besinnung nie zu kurz gekommen sind. Und da das Ganze im Buch nie belehrend und doch immer auch kurzweilig erzählt wird, ist es einfach nur spannend und anregend Ulrich Wickert zuzuhören.

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König 

Überall im Fachhandel erhältlich 

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Rezension: Gerade gestern- Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten- Martin Meyer-Hanser

Der Autor dieses hervorragenden Buches ist der Schweizer Martin Meyer, der bis 2015 das Feuilleton der Neuen Züricher Zeitung leitete. Bereits 2004 erhielt er den Europäischen Essay-Preis Charles Veillon. Im Hanser Verlag sind einige bemerkenswerte Bücher von ihm erschienen.

Geboren wurde Martin Meyer 1951. Er kann also  schon recht lange auf den sich ständig verändernden Zeitgeist zurückblicken und scheint daraus eine Art Hobby gemacht zu haben.

Wie man der Vorbemerkung zu der hier vorliegenden spannend zu lesenden Textsammlung entnehmen kann, versucht das Werk zwischen Nostalgie und Gegenwartspathos eine Mitte zu finden. Dabei schreibt Martin Meyer so, dass man immer wieder innehält und begeistert ist wie er Vergangenes in seinen Sätzen ohne Larmoyanz einfängt.

Loslassen ist heute nicht einfach, das erfährt man im Essay "Zeitverlust" ganz nebenbei. Hier beginnt Meyer seinen Text mit den Worten: "Der entfesselte Narzissmus, der in den Spiegelbildern kristallisiert, die die bild- und tongebenden Digitalverfahren ermöglichen, wäre kein massiver Grund zur Sorge, wenn er nicht eine weitere der klassischen Todsünden bedienen würde: die Gier oder Sucht, davon nicht loslassen zu können und die Umwelt zu Dauerzeugen dafür aufzurufen."

Für den Autor sind handgeschriebene Briefe unendlich wertvoll geworden, weil sie Höhepunkte der Kommunikation zwischen Menschen darstellen, obschon sie für uns heute fast künstlich erscheinen und man in ihnen verdeckte Motive vermutet in unserer schönen neuen Welt des entfesselten Narzissmus, dem Dialoge offenbar fremd sind.

Martin Meyer besinnt sich vieler Dinge, die an Bedeutung verloren haben. Ganz klar, der Zeitgeist hat an Tempo zugelegt und wir mit ihm. Unmöglich die Texte an diesen Stelle im Einzelnen unter die Lupe zu nehmen. Man braucht sie nicht chronologisch zu lesen, aber selbst wenn man es tut, findet man sich sehr oft selbst wieder, erkennt wie man war, was man liebte und wie man heute nicht mehr  sein kann.

Nichts verändert uns mehr als der Zeitgeist. Sich ihm zu entziehen, ist noch nicht einmal möglich, wenn wir auf einer einsamen Insel leben, seit der Klimawandel uns zwingt, egal wo wir  uns hin verkrochen haben, auf die durch ihn bedingten Veränderungen vielschichtig  zu reagieren.

Dass Charismatiker dem Gestern angehören, wusste ich bislang noch nicht, wohl aber dass die Schönschrift ganz ähnlich wie der handgeschriebene Brief den Schlager "Marina, Marina" keine Lichtjahre überdauern konnten. Warum?  Vermutlich weil  die Wertschätzung des Du ein Ladenhüter geworden ist

Im Gegensatz zum Autor erhalte ich hin und wieder noch Ansichtskarten und freue mich über die Menschen, die entspannt und ohne Scham solchen alten Gewohnheiten nachgehen. Ansichtskarten zu versenden ist ja fast schon schrullig, aber man sollte bedenken: Schrulliges ist fast immer liebenswert.

Wer nicht schrullig, aber dennoch liebeswert sein möchte,  kann den Hula-Hoop kreisen lassen. Eine sportliche Übung steht nie im Verdacht gestrig zu sein, selbst wenn der Zeitgeist Kapriolen schlägt...

Empfehlenswert

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Gerade gestern: Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten

Rezension: Die Meinungsmaschine- Petra Gerster, Christian Nürnberger- Ludwig

Das Autorenteam Petra Gerster und Christian Nürnberger haben mit "Die Meinungsmaschine" ein Buch verfasst, in dem sie zeigen, wie Informationen gemacht werden und wem wir noch glauben können. 

Petra Gerster moderiert seit 1998 die "heute"- Sendung und wurde mit dem Hanns-Joachim-Friedrich-Preis für Fernsehjournalismus und mit der goldenen Kamera ausgezeichnet. Der Publizist Christian Nürnberger schreibt u.a. für die Zeit und die "Süddeutsche Zeitung“"  Gemeinsam hat das Ehepaar  bereits mehrere Bücher verfasst u.a. den Bestseller "Der rebellische Mönch", den ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert habe. 

Das vorliegende Werk ist in sechs Teile untergliedert. Als da sind: 
-Die sogenannte Informationsgesellschaft 
-Die Medienmaschine 
-Macht und Ohnmacht der Journalisten 
-Macht und Ohnmacht der Medien
-Die fünfte Gewalt 

Medien, so die Autoren, wirken an der Persönlichkeits- und Charakterbildung jedes Einzelnen mit. Was aus einem Kind werde, hänge im hohen Maße davon ab, mit welchen Medien es seitens seiner Erziehungsberechtigten gefüttert worden sei. Dabei seien es die Medien., die jedem Einzelnen helfen, sich in einer stets komplexeren Welt zu orientieren. 

Eine Flut neuer Buchtitel, dazu 6000 Magazine, deren Inhalten rund 85 Prozent aller Leser vertrauten, sind nicht die einzigen Informationsquellen, derer man sich bedienen kann. Es kommen über 400 Radiosender und 74 TV-Sender und das Internet hinzu, welches immerhin bereits 63% aller Haushalte erreicht. Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: Leben wir tatsächlich in einer Informations- oder doch eher in einer Desinformationsgesellschaft? Seit zu Beginn der Jahrtausendwende die Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenwelt von der Digitalisierung stark in Bedrängnis geraten sind und  sich Werbeerlöse drastisch minimiert haben, auch die Zahl der Abonnenten gesunken ist, stellt sich obige Frage plötzlich.

Kann weiterhin seriöser Qualitätsjournalismus garantiert werden, wenn die Finanzierungsquellen versiegen? Kann man den sozialen Medien trauen, wo doch mittlerweile allgemein bekannt ist, dass dort Fake Accounts, Fake News, Meinungsroboter, Propagandeschleudern, Hoaxes und Trolle für ständige Verwirrung sorgen? 

Ja, man kann, wenn man lernt wie Medien funktionieren, welchen Mechanismen sie gehorchen und welchen Zwängen sie unterliegen. Erkennen muss man Übertreibungen und hinwegsehen sollte man über Zynismus. Dabei sollte man sich nicht beirren lassen vom Medien-Bashing, sondern genau hinschauen, was gesagt und  was verbreitet wird. 

Die Autoren nennen die Ursachen für ein begründetes Misstrauen vieler Bürger dem Establishment gegenüber. Dabei sei allerdings gerade ein starkes Indiz für die Funktionsfähigkeit der Medien die Tatsache, dass man noch immer über Missstände unterrichtet wird. Dennoch ist von Main-Stream-Medien die Rede. Trotz alledem wird die Art wie informiert wird, von verschiedenen Kreisen durchaus in Frage gestellt. Offenbar ist Vertrauen und Misstrauen gleichermaßen gewachsen und zwar auf Kosten der Unentschiedenen. 

Man liest von den ökonomischen Schwierigkeiten der Medienmacher, sinnstiftenden Lesestoff zu vermarkten. Es ist weitaus einfacher, den Voyeurismus und die niederen Instinkte  von Lesern zu bedienen wie auch, sich als Ratgeber für alle Lebenslagen einen Namen zu machen. Die Großen im Medienbusiness sind gewinnorientiert und müssen es wohl auch sein. ARD und ZDF finanzieren sich aber über Gebühren und werden von Gremien kontrolliert. Das macht sie eindeutig unabhängiger. 

Man erfährt Wissenswertes über Medienmilliadäre wie Rupert Murdoch, Haim Saban und Silvio Berlusconi und auch Näheres über die deutschen Pressezaren. Die meisten von ihnen leben nicht mehr, wohl aber noch Hubert Burda und Frank Otto, die von den Autoren mehr als Kaufleute denn als politisch agierende Verleger einschätzt werden. 

Man erfährt in der Folge auch, wer genau die Medienmaschine bedient. Weltweit gibt es etwa 180 Nachrichtenagenturen. Genannt werden die vier wichtigsten Agenturen, die keinem Medienmogul angehören. Man erfährt  zudem nach welchen Regeln die Maschine bedient wird und auch wie sich Regeln ändern können. Weshalb manche Wahrheiten Zeit benötigen, wird auch thematisiert.

Die Autoren machen klar, weshalb es für Journalisten so schwierig ist, Fehler, Lügen, Machtmissbrauch, Korruption und unverantwortliches Handeln aufzudecken und weshalb so selten über Positives berichtet wird. Man liest weiterhin  Wissenswertes über den Treibstoff der Maschine und hier auch, wann eine bestimmte Nachricht Relevanz hat. 

Zudem wird natürlich die Pressefreiheit  thematisiert und aufgezeigt, wo sie endet und wo der Selbstmord der Medienmacher beginnt. Die Medien leben u.a. von den Einnahmen ihrer Anzeigenkunden und je weniger Abonnenten es gibt, umso mehr sind sie auf andere Quellen angewiesen.  Das macht sie nach Ansicht der Autoren zurückhaltender als früher. 

Wie kann in Zukunft in unserer Demokratie journalistische Qualität finanziert werden? Wenn diese Antwort nicht gefunden wird, wird die freie Presse bald der Vergangenheit angehören, so die Autoren.  

Es ist unmöglich, an dieser Stelle alle Facetten dieses klugen Buches auch nur zu streifen. Lesenswert sind u.a. die fünf wichtigsten Regeln und Methoden, Objektivität im Hinblick auf journalistisches Arbeiten zu erlangen. 

Nicht nur nach der Macht und Ohnmacht der Journalisten, sondern auch der Medien wird gefragt. 

Spannend für alle, die im Netz aktiv sind, ist der fünfte Teil des Buches. Hier geht es um die so genannte 5. Gewalt. Sie ist neu und bekanntermaßen sehr unterschiedlich im Niveau. Es handelt sich um Facebook, Twitter, die Foren der sozialen Netzwerke, die Blogs, Instagram etc. Alle sind geschützt durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Dabei kann Macht ausgeübt werden durch anarchische Äußerungen. Wer sich intelligent im Netz bewegt, kann, so die Autoren, es als Instrument der Demokratie einsetzen, d.h. man ist keineswegs ausschließlich Propaganda- und Desinformationskampagnen ausgesetzt. Was alles möglich ist, wird kurz skizziert, so etwa auch Online-Petitionen, die durchaus etwas bewirken können. Verdeutlicht wird, dass der neuartige Bürgerjournalismus, dem professionellen Journalismus nicht schaden muss. Im Gegenteil.

Was noch? Lesen und sich klar machen sollte man zum Schluss die wichtigsten Regeln für Mediennutzer. Sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, schadet auch im Falle der Meinungsmaschine nicht. 


Sehr informativ, von daher  sehr empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

Rezension: The Art and Science of Ernst Haeckel- TASCHEN

Die Texte dieses reich bebilderten Prachtbandes von TASCHEN sind in englischer, französischer und deutscher Sprache abgedruckt. Um sich einen ersten Überblick über das Leben des deutschen Mediziners, Zoologen, Philosophen und Freidenkers Ernst Haeckels zu verschaffen, empfiehlt es sich, die biographischen Daten zu Ende des Buches zuallererst zu lesen, um sich alsdann in den Aufsatz von Rainer Willmann mit dem Titel "Ernst Haeckel- Kunstformen des Lebens" zu vertiefen. 

Ernst Haeckel (1834-1919) war einer der einflussreichsten Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts und schuf ein wissenschaftliches und philosophisches Monumentalwerk, das seinesgleichen sucht. Dabei verwob er ausgehend von Darwins Überlegungen und seinen eigenen biologischen Untersuchungen sein Wissen um die Entwicklung des Lebens zu einem ganzheitlichen Weltbild. Sein Werk "Welträtsel" von 1899 erschien in 30 Sprachen und erzielte Auflagen, die in die Hunderttausende gingen. 

Als begnadeter Zeichner hat er seine künstlerische Befähigung in den Dienst der Wissenschaft gestellt. So schuf er u.a. Tafelwerke und biologische Atlanten, die, was Anmut und Präzision anbelangen, bislang unerreicht geblieben sind. Konzipiert waren sie allesamt vor dem Hintergrund,  die durch die Evolution entstandene grenzenlose Vielfalt des Lebens aufzeigen zu wollen.

Zudem hat Haeckel die Literatur mit neuem Gedankengut bereichert. Mit seinem Radiolarien-Werk, über das man im Buch Näheres erfährt, wurde der Wissenschaftler 1864 mit der Cothenius-Medaille ausgezeichnet. Es folgten weitere Publikationen, zunächst 1866 die "Generelle Morphologie der Organismen" in zwei Bänden, in deren Zentrum das Wissen um die Evolution und nicht zuletzt die Herkunft des Menschen stand. 

Nach der Drucklegung des Werks arbeitete Haeckel an weiteren Publikationen zur Vielfalt der Arten und publizierte 1872 eine Monografie über Kalkschwämme.

Willmann erläutert in seinem Aufsatz u.a. Haeckels Artenbegriff. Der Wissenschaftler verstand Arten nicht als natürliche Einheiten. Deshalb auch beschrieb er Formen ein und derselben biologischen Art mitunter mit mehreren Namen. 

Bereits 1866 hatte Haeckel eine wichtige Erkenntnis zu Papier gebracht, als er im Zellkern den Träger der Vererbung sah und betonte im Hinblick auf die Herkunft des Menschen, dass dieser sich ebenso aus den Affen entwickelt habe, wie diese aus niederen Säugetieren und ging von einem Übergang des Menschen im Tertiär aus. Für Haeckel stand fest, dass alles untrennbar miteinander in Verbindung steht und ergänzte den Monismus durch das "ethische Grundgesetz" kompromissloser Nächstenliebe. Da es nach seinen Kenntnissen keinen Beweis für ein Leben nach dem Tode gab, war es für ihn selbstverständlich, dass jeder sein Leben im Hier und Jetzt so gut und glücklich wie möglich gestalten solle. 

Der Wissenschaftler setzte sich übrigens für Pazifismus ein, indem er 1910 einen "Aufruf zur Begründung eines Verbandes für internationale Verständigung" unterzeichnete. Zudem unterstützte er Bertha von Suttner und gründete eine Friedensvereinigung, die für einen andauernden Frieden zwischen Deutschland und Frankreich eintreten sollte. 

Julia Voss schreibt in ihrem Aufsatz über Ernst Haeckel und die Evolution der Modernen Kunst, der dann eine Fülle von künstlerisch wertvollen Darstellungen Haeckels folgen,  untergliedert in:

Monographie der Radiolarien 
Siphonophoren 
Atlas der Kalkschwämme 
Arabische Korallen 
Monographie der Medusen 
Bericht über Tiefsee-Keratosoa 
Kunstformen der Natur 

Den einzelnen Kapiteln gehen textliche Erläuterungen voran, die Haeckels Werke begreifbarer machen. Dabei findet sich im Anhang ein weiterer bemerkenswerter Beitrag Rainer Willmanns zu "Verwandtschaftsbeziehungen der Organismen und dem Biologischen System".  Haeckel hatte 1904  seine "Kunstformen zur der Natur" durch eine Übersicht hierzu ergänzt, auf die Willmann Bezug nimmt. 

Ernst Haeckel beeindruckt in diesem Buch vor allem durch seine visuellen Darstellungen, die sogar die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts beeinflussten. 

Das Werk veranlasst den Betrachter (m/w) zu einem  nicht enden wollenden Staunen. Haeckels weltanschauliche und wissenschaftliche Positionen hier allerdings im Rahmen der Rezension auszudiskutieren, führt zu weit. Die Kunstformen der Natur  zu bewundern, scheint mir zumindest ergiebiger.

Sehr empfehlenswert .

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

Hardcover, 28,5 x 39,5 cm, 704 Seiten

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The Art and Science of Ernst Haeckel

Rezension: Die Geschichte des Kinderbuchs in 100 Büchern- Roderick Cave Sara Ayad- Gerstenberg

Autoren dieses sehr informativen und dabei spannend zu lesenden Buches sind Rodeick Cave, Bibliothekar und Spezialist für historische Bücher und Sara Ayad, Buchhändlerin, Lektorin und Forscherin für Abbildungen, sowie gefragte Bildrechercheurin für renommierte britische Kunstinstitute.

Im Rahmen von elf Kapiteln mit zahlreichen Illustrationen erfährt man Wissenswertes zur Geschichte des Kinderbuches. So liest man zunächst vom ältesten erhaltenen Schlaflied. Es handelt sich dabei um ein sumerisches Schlummerlied, das auf einer Keilschrifttafel aus der Zeit um 2500 v. Chr. überliefert ist.

Die ersten gedruckten Kinderlieder stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1766 erschien in Leipzig der erste für Kinder geschriebene deutsche Gedichtband und 1781 erschienen "Fritzchens Lieder" von Christian Adolf Overbeck, die  für die damalige Zeit geradezu antiautoritär waren.  Aus der Feder Overbeck stammt übrigens  das  Kinderlied "Komm, lieber Mai,  und mache, die  Bäume wieder grün", das noch heute gesungen wird.

Dann erfährt man mehr über die Techniken von Autoren, die Kindergeschichten weitervermitteln. Die Fabel ist eine dieser  Techniken, insofern wird auch Äsop, der Vater der europäischen Fabel erwähnt. Diese Fabeln reichen zurück bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. Erwähnt wird eine weitere Fabelsammlung aus Indien,- das Panchatantra- die in der arabischen Welt noch heute gelesen wird.

Ritter- und Pilgergeschichten, auch Volkserzählungen, so von Trollen, Nissen und Fjorden begeisterten einst Erwachsene und Kinder gleichermaßen,  vor allem wenn Erwachsene aus  solchen Büchern vorlasen. All diese Geschichten transportierten Botschaften, die nicht nur zur Erbauung, sondern auch zur moralischen Erziehung dienen.

Die ersten illustrierten Bücher für Kinder erschienen um 1650. Schon im 18. Jahrhundert dann gab es bewegliche Bücher, solche kann man sich im Rahmen der Buchillustrationen ansehen.

Von alten Erziehungsratgebern liest man, so etwa von einem böhmischen Hussiten, der in der Erziehung den Ausgang aus der Rohheit sah, auch das Bildungskonzept Rousseaus wird thematisiert  um schließlich irgendwann Seiten später die Kinderjahre der kleinformatigen Kinderbücher kennenzulernen.

Man liest von Büchern wie "Robinson Crusoe", auch über Tiergeschichte für Kinder und den ersten Zeitschriften für die Kleinen, Märchen und natürlich der "Struwwelpeter" sind ein Thema, auch "Peter Pan", eine komplexe, geheimnisvolle Figur. Serien wie die "Fünf Freunde" etc, etc, zeigen, was Kinder gebannt, belehrt und mitunter verängstigt hat.

Das faktenreiche Werk, in dem viel Arbeit steckt, sorgt für manches Aha-Erlebnis und ist vor allem lehrreich. Mit viel  Sorgfalt und Liebe zum Detail gestaltet, ist  "Die Geschichte des Kinderbuchs in 100 Büchern" eine Besonderheit in jeder Privatbibliothek.


Sehr empfehlenswert
Helga König

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Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern

Rezension: Die Winnetou-Strategie- Werde zum Häuptling deines Lebens- Frank Behrendt- Gütersloher Verlagshaus

Frank Behrendt, der Autor dieses unglaublich kurzweilig geschriebenen Buches ist seit rund 20 Jahren PR- und Kommunikationsfachmann mit besten Kontakten zu Medien, Wirtschaft und Politik. Der Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München war Deutschland-Chef bei Ketchum Pleon, bevor er 2011 als Vorstand zur fischerAppelt AG wechselte. Seit 2017 ist er in der Serviceplan-Gruppe tätig und wurde im März dieses Jahres von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) als "PR-Kopf des Jahres" ausgezeichnet. 

In seinem neuen Buch zeigt er wie man es schafft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Frank Behrendt nennt sein Werk "Die Winnetou-Strategie", weil er als Leser von Karl-May Büchern sich schon sehr früh die positiven Werte der Protagonisten zu Eigen gemacht hat, die ihm ein erfolgreiches Leben beschert haben. Nach der Definition Behrendts ist ein Häuptling vor allem ein Mensch, der in seinem Leben für Ordnung sorgt und für sich selbst die richtigen Entscheidungen trifft. 

Sein Buch untergliedert der Autor in 10 Kapitel. Um sein Anliegen dem Leser näher zu bringen, erzählt er Episoden aus seinem Leben und reflektiert immer auch die Indianerwelt, wobei er die Phantasiegestalten Karl Mays mit tatsächlich gelebt habenden Indianern in Beziehung setzt und auf den letzten Seiten sehr kluge Zitate Tecumsehs (1768-1813), er war Häuptling der Shawnee Indianer, angefügt hat. 

Eines der Zitate heißt: "Missbrauche niemanden und nichts, denn dies macht Weise zu Narren und beraubt dem Geist seine Vision."

Behrendts erstes Kapitel gilt den Seelenverwandten, gemeint sind die Blutsbrüder und -schwestern, die notwendig sind, um in einem selbstbestimmten Leben den Rückhalt zu haben, der uns über schwierige Zeiten trägt. Dabei begründet sich die starke Bindung nicht nur darin, dass die Seelenverwandten uns zur Seite stehen und wir ihnen, sondern vor allem in den gleichen Werten. Im Falle von Winnetou und Old Shatterhand sind es Gradlinigkeit, Fairness und Menschlichkeit. 

 Frank Behrendt
Foto: John M. John
Für den Autor war die zentrale Botschaft der Winnetou-Geschichten, dass man miteinander wachsen kann,  schon als Junge von großer Bedeutung. Frank Behrendt  hat sich natürlich nicht nur mit Karl May, sondern auch mit Philosophen wie Aristoteles befasst, der in einer seiner Schriften über Ethik drei Typen von Freundschaft unterscheidet. 

Blutsbrüder oder- schwestern gibt es neuerdings auch im Beruf immer öfter, so der Autor und das hängt damit zusammen, dass die Zeit der Einzelkämpfer vorbei ist. Gnadenloser hierarchischer Kampf, das war gestern. Heute geht es um Teamwork. 

Wie aus Feinden Blutsbrüder werden, auch das zeigt Karl May und Frank Behrendt verdeutlicht an einem Beispiel, weshalb er von einem vormaligen Blutsbruder Abstand nahm, nachdem dieser die gemeinsamen Werte durch ein unakzeptables Verhalten Dritten gegenüber in Frage stellte. 

Weshalb ein Häuptling einen Stamm benötigt und wie er sich in diesen einbringen sollte, ist auch ein Thema des Buches, sogar ein sehr wichtigstes. Damit ein Stamm Zukunft hat, müssen die Mitglieder gut zueinander passen und sollten das Wohl des Stammes an oberster Stelle positionieren. Das gilt für Familien in gleicher Weise wie für die Arbeitswelt, wobei dort die Bindungen nicht für die Ewigkeit gemacht sind und die Start-Crew zumeist aus mehr als zwei Personen besteht. Je größer der Stamm, umso mehr muss er untergliedert werden, damit er nicht zerbricht. 

Wer Häuptling seiner selbst werden möchte, sollte auf weise Ratgeber hören. Darüber schreibt der Autor auch ausführlich und berichtet aus seiner reichen Erfahrungswelt. Von einem seiner weisen Ratgeber hat Behrendt  gelernt, sich nicht in seine Arbeit zu verlieren, denn je mehr man sich darin verliert, umso mehr verliert man den Überblick und die Gelassenheit. Ein guter Häuptling benötigt Gelassenheit und sollte sich davor hüten, ängstlich zu sein, wenn er entscheidet. 

Frank Behrendt plädiert zudem für gleiche Augenhöhe mit Frauen im Beruf und in der Familie und zeigt am Beispiel von Indianerfrauen aus vergangenen Tagen wie hoch ihr Ansehen bei den Männern ihres Stammes war, speziell bei den Irokesen. 

Der Autor gehört zu den Menschen, die der Digitalisierung sehr viel Positives abgewinnen und zeigt am Beispiel seiner über 80 jährigen Mutter wie wichtig es für alle Stammesmitglieder ist,  den Wandel im Leben immer und immer wieder neu zuzulassen, denn Leben heißt Wandel. 

Wer Häuptling seiner selbst sein will, benötigt Humor und wer im Leben bestehen möchte, sollte sein humorvolles Wesen allen anderen auch gönnen. Die Karl- May- Figur Sam Hawkens ist für Behrendt ein Beispiel dafür, wie das funktioniert. 

Für Frank Behrendt gehört Kämpfen zum Leben dazu. Dabei steht ein Krieger für alles ein, was ihm wichtig ist, vor allem für sich selbst. Es geht also um Verantwortung. Diese zu übernehmen, könne man nicht früh genug erlernen. Der Autor hat sich sehr zeitig darin üben müssen, dank seiner Eltern. 

Es ist ungemein erfreulich, in diesem Buch zu erfahren, wie Behrendt reagiert, wenn andere ungerecht behandelt werden, was ihm Fairness bedeutet und welchen Stellenwert bei ihm Ehrenhaftigkeit hat. Ein echter Krieger ist für ihn ein Alpha-Mensch mit Ecken und Kanten, einer der mit offenen Karten spielt und der in der Lage ist, andere wertzuschätzen. 

Teamgeist und Fairplay sind das A und O eines Häuptlings nach Zuschnitt von Frank Behrendt. Er weiß, dass die Federhaube noch keinen Häuptling macht, sondern dass es andere Dinge sind, nicht zuletzt Anstand, der sich aus Wertschätzung, Fairness und Offenheit zusammensetzt. 

Das Buch ist eine Verneigung vor ethischen Werten,  ohne die unsere Gesellschaft ins Chaos versinkt. Dass Frank Behrendt dabei Karl- May- Figuren zu Rate zieht, hat mir besonders gut gefallen und mich darin bestätigt, wie wichtig solche Vorbilder in jungen Jahren sind, wenn es um die Herausbildung eines guten Charakters geht. 

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Die Winnetou-Strategie: Werde zum Häuptling deines Lebens

Rezension: #Bunte –Republik Deutschland- #Prestel

Der Prestel-Verlag hat anlässlich des 70 jährigen Jubiläums der Zeitschrift "Bunte" den vorliegenden Bildband auf den Weg gebracht. #Patricia_Riekel, die derzeitige Chefredakteurin  und Herausgeberin der Bunten, schreibt, dass diese Zeitschrift seit nunmehr 70 Jahren die Informationsbörse für alle sei, die am gesellschaftlichen Leben Interesse haben. Für Riekel sind Neugierde, der Wunsch nach Anerkennung, auch Neid und Voyeurismus die wichtigsten Triebfedern menschlichen Verhaltens. 

Die "Bunte" wird von ihr als "Kunst, Geschichten zu erzählen"  definiert und das Blatt als Wegweiser durch das Dickicht der sozialen Regeln begriffen. Es sind, wie Riekel weiß, menschliche Tragödien und Abgründe von Superstars, die ihr Publikum weitaus mehr interessieren als glatte Lebensläufe. Dabei gehöre zur Grundmelodie der Bunte-Berichterstattung, das Triviale mit dem Relevanten und Erhabenen zu verbinden.  Da die  sozialen Medien zur Konkurrenz der Bunten geworden seien, habe diese sich verändern müssen. Jetzt genüge die Geschichte hinter der Geschichte nicht mehr. Nun seien mehr Fakten, mehr Einordnung notwendig. In den vergangenen Jahren hätten die wichtigsten Politiker der Bunten Interviews gegeben. Das ist natürlich beachtlich. 

Aus rund 3500 Bunte-Ausgaben und Millionen von Namen in den letzten 70 Jahren eine Auswahl zu treffen, war gewiss nicht einfach. Die Macher des Buches haben sich entschieden, die Bunte-Story in sieben Jahrzehnte zu untergliedern und diese dann jeweils in die Rubriken: Leute, Adel, Politik, Helden, Unterhaltung, Schicksal, Zeitgeist und Gesellschaft. 

Den bildreichen und  dabei keineswegs textarmen Kapiteln ist die Bunte- Story vorgeschaltet. Diese erzählt #Dr_Hubert_Burda im Rahmen eines Interviews. Nicht nur über den Beginn des Unternehmens, auch über die Zeit, wo er einst Chefredakteur wurde,  erfährt man Wissenswertes. Dann liest man wie die #BUNTE sich zum People-Magazin entwickelte und welchen Einfluss Andy Warhol auf das Blatt hatte. Dr. Burda traf sich mit Andy Warhol damals häufiger. Hier entstand sein neues Credo: "Media is art."

Man liest im Interview auch wie die digitale Revolution sich auf die Bunte auswirkt hat. Hier erfährt man wie die Wechselwirkung zwischen Print und Online funktioniert und weshalb Geschichten sich nun weitaus rascher ausbreiten. Noch ist die BUNTE das führende People-Magazin in Europa und repräsentiert als solches die europäische Gesellschaft.  Das glaube ich gerne.

Texte und Fotos aus den 1950er Jahren und kurze Erläuterungen dazu, stehen am Anfang. Eine Reihe berühmter Schauspieler und Schauspielerinnen, die schon lange unter der Erde liegen, kann man bewundern, teilweise noch in Schwarz-Weiß und kann  zudem nacherleben, was Spießigkeit in jenen Tagen hieß. Titelbildschönheiten von damals kennt heute keiner mehr. So vergänglich sind Gesichter. Spannend dann von Soraya zu lesen und die oberspießige Diktion  dazu zur Kenntnis zu nehmen, die an Durchhaltefilme aus der NS-Zeit erinnern. Der Begriff "Heimat" verbreitete damals offenbar noch keine Kopfkrisen. 

Dann erfährt man etwas vom Liebesdrama Prinzessin Margrets, kann sehr schöne Bilder von Grace Kelly bestaunen und erfährt, dass sie damals der neue Typ auf der Kinoleinwand war. Hochzeiten aus Adelskreisen waren offenbar sehr gefragt. Weit interessanter allerdings ist der Zeitgeist in den einzelnen Jahrzehnten, so etwa die Möbel, das Bestreben nach einer besseren Figur und manch anderes mehr. Schlagzeilen kann man nachlesen, sich auch rasch in die die 1960er Jahre durchblättern und sich darüber im Klaren werden, wie Schönheitsideale geprägt werden und Einstellungen zur Gesellschaft entstehen.

Die Mondlandung war wohl ein wirklich großes Ereignis, damals im Juli 1969. Doch der Klatsch um Jackie scheint die Leser der Bunten mehr interessiert zu haben. Während ich die Bilder betrachte und lese, versuche ich zu analysieren, wo mein Blick länger haften bleibt, was mich besonders anspricht. Es sind nicht die Adelsgeschichten, eher die Rubrik "Leute". Romy Schneider, auch Curd Jürgens und schließlich Gunter Sachs in den 1970er Jahre waren solche Leute, die faszinierten. 

Die Texte  in den 1970ern werden übrigens besser, der Kitsch der 1950er Jahre ist jetzt endlich weggebröselt. Dennoch, interessant ist, auf welche Weise politische Themen damals  in der Bunten abgehandelt wurden, so etwa das Ende der Ära Brandt. 

Als Helden in den 1980er Jahre werden u.a. #Boris_Becker und #Steffie_Graf und auch #Reinhold_Messner gefeiert. #Nena ist noch jung und Petra Kelly lebt noch. Sie war übrigens eine sehr schöne Frau. 

Irgendwann dann sieht man  erneut ein Foto von Romy Schneider und wird daran erinnert, dass sie nur 43 Jahre alt wurde. Getitelt wurde "Im Morgengrauen brach ihr Herz". Das klingt nach deutschem Schlager und nicht angemessen für diese Schauspielerin, so die Empfindung von heute. 

Alles, was dann kommt, ist in noch guter Erinnerung, wenn man regelmäßig den Friseur besucht hat. Die Bilder werden schöner, die Menschen leider nicht immer. Dann erlebt man Gerhard Schroeder, damals 53 Jahre alt. Der geschilderte Fall hat sich längst wiederholt. Hillu Schröder hat ihn ganz gut skizziert. Sie ist eben eine intelligente Frau. Damals nannte man sie rachsüchtig, aus heutiger Sicht würde man sie eher analytisch nennen. 

Seite für Seite sieht man wie Menschen den Zeitgeist verändern und dieser wiederum auf die Menschen wirkt. 

Gibt es ein Bild, das  mir besonders gefällt? Ja. Ein Foto, dass #Papst_Franziskus mit der Bunte- Herausgeberin Patrica Riekel und der Bunte-Reporterin Tanja May zeigt.  Sehr sympatisch.

Insgesamt ist dies ein  gelungenes Buch über die Vergänglichkeit all dessen, was Menschen eitel werden lässt und als solches ein Zeitdokument der besonderen Art, nämlich  der Media-Art.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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BUNTE Republik Deutschland

Rezension: Der Stärkencode- Die eigenen Talente entschlüsseln, anerkennen und weiterentwickeln- Frank Rebmann- Campus Verlag

Frank Rebmann, der Verfasser dieses bemerkenswerten Buches ist als Stärkentrainer für Führungskräfte und Mitarbeiter zahlreicher Unternehmen der Industrie, Finanzdienstleistung und der IT-Branche tätig. Dabei berät, trainiert und schult er in den Bereichen Mitarbeiterentwicklung, Veränderungsprojekte und Talent-Management. Zu seinen Kunden zählen sehr namhafte Firmen, was Rückschlüsse auf seine Stärken und sein Renommee zulassen. 

Der Autor möchte den Lesern dazu verhelfen, ihre Stärken zu ermitteln und sie sinnstiftend für sich einzusetzen. Im Rahmen von 12 lesenswerten Kapiteln eröffnet er Interessenten den Weg dazu. 

Damit jedem klar ist, wovon Rebman in seinem Buch schreibt, definiert er den Begriff Stärke zunächst und zwar "als etwas, was wir gut können, gerne machen und wobei wir hervorragende Ergebnisse erzielen." Im Gegensatz zur Stärke definiert er Talent "als eine Begabung, die jemand zu hervorragenden intellektuellen, sozialen, künstlerischen und sportlichen Leistungen befähigt." Davon grenzt der Autor Können ab. Dieses definiert er als das erworbene Vermögen, um bei einer bestimmten Tätigkeit etwas Besonderes zu leisten. Neben Talent, Können und Stärke, die sich alles andere als im Wege stehen, gibt es dann noch die Schwäche. Diese definiert der Stärketrainer als "Mangel an Wissen, Fähigkeit, Talent, Motivation oder aber als eine Eigenart der Persönlichkeit beim Ausführen einer bestimmten Tätigkeit". 

Frank Rebmann beginnt sein Buch mit einem historischen Exkurs und zeigt  u.a. wie die Philosophen in der Antike das Phänomen "Talent" betrachtet haben. Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass Sokrates bereits wusste, dass das ständige Annähern an die eigenen Gaben zu einem hohen Grad an Zufriedenheit führt. 

Dank Schopenhauers Werk "Die Kunst, glücklich zu sein", hat man erkannt, dass Talent naturgegeben und Stärke erarbeitet werden muss. Wer Stärke entwickelt hat, werde sich nicht mehr verbiegen, um den anderen zu gefallen und werde auch keine Aufgaben mehr übernehmen, die den eigenen natürlichen Gaben widersprechen. Eine selbstbewusste Eigenständigkeit erarbeite man sich mit Fleiß und Disziplin, primär aber durch das Anerkennen unseres Talents. Das Wissen um unsere Gabe erhält man durch Selbstbeobachtung, das wusste Schopenhauer bereits.

Damit man im Stärkebereich agieren kann ist es notwendig, sein Talent zu entdecken, es anzuerkennen, zu trainieren, damit dieses Talent auf ein stets abrufbares Stärkeniveau angehoben werden kann. Wichtig ist dazu noch der Wille, die Stärken anzuwenden und zu verfeinern sowie keinen Zweifel an den eigenen Stärken zuzulassen und schlussendlich die Freude daran, seine Stärken in die Aufgaben einfließen zu lassen. 

Das Wahrnehmen eines Talents könne zufällig geschehen, das Erkennen einer Stärke hingegen sei nur mit Selbstachtsamkeit und einer gezielten Spurensuche möglich. 

Rebmann untergliedert Stärken in fünf Dimensionen:

Analytische Stärken
Entdeckende Stärken 
Kooperative Stärken 
Praktische Stärken 
Stabilisierende Stärken 

Anhand einer Tabelle kann man stärkeorientierte Eigenschaften ermitteln, die den fünf Dimensionen zugeordnet sind. Auf diese Weise kann man sein Stärkeprofil erstellen. 

Damit Stärken sich  zu entfalten vermögen, müssen sie vollständig wirken können. Dort, wo unsere Stärken sind, befinden wir uns auf unserem Kompetenzreservoir. Dabei muss man wissen, dass eine außergewöhnliche Leistung auf sehr hohem Niveau entsteht, sobald aus einem besonderen Talent eine verlässliche Stärke wird. 

Die sehr guten Fragen zur Stärkefindung im vorliegenden Buch sollte man mit viel Sorgfalt beantworten, sich auch klar darüber werden, was man unter Stärkeblockaden zu verstehen hat und wie man diese auflöst. 

Sehr wichtig: Unser Stärkeprofil kann durch ein sinnstiftendendes Werteprofil verstärkt werden. Um sich der Werte bewusst zu werden, listet Rebmann eine Vielzahl von Werten auf, die sich jeweils in ein bestimmtes Stärkeprofil einfügen. Immer deutlicher tritt zu Tage, dass ein Bewusstsein für das eigene Talent, die eigenen Stärken und Werte vorhanden sein muss, um erfolgreich sein zu können und dabei innere Zufriedenheit zu empfinden. 

Wer starke Ergebnisse erzielen möchte, sollte sein Leben und damit auch seine Zeitplanung nach seinen Stärken organisieren. Wie das funktioniert, erläutert der Autor ebenso hervorragend, wie die fünf Fallen in der Zeitplanung. 

Zudem lernt man mit seinen Schwächen umzugehen und hier etwa sich aus seinem Mangeldenken zu befreien. 

Fünf Arten von Schwächen gibt es, die man überwinden kann, sobald man sich der Ursache und Lösung bewusst wird. Auch hier steht Rebman hilfreich zur Seite. 

Über all das und weitere Facetten in punkto stärkeorientiertes Leben wird man sehr gut aufgeklärt und kann sich mithilfe des inkludierten Selbsttests klar über sein Talent werden, lernt es anzuerkennen und zu echten Stärken entwickeln. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König 

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Der Stärken-Code: Die eigenen Talente entschlüsseln, anerkennen und weiterentwickeln

Website des Autors Frank Rebmann:  Stärkentrainer Frank Rebmann und Team

Rezension: Digitale Verrohung? Was die Kommunikation im Netz mit unserem Mitgefühl macht- Goldmann

Die Autorin dieses Buches ist die Medienwissenschaftlerin Gina Schad. Mit dem vorliegenden Werk möchte sie Lesern dazu verhelfen, dass sie als Nutzer des Internets selbst Strategien entwickeln, den Überblick im Netz zu behalten und nicht darauf warten, dass Plattformen, Politik und die Justiz das Problem lösen.

Aufzeigen möchte sie primär die beinahe unbemerkt stattfindende Entwicklung im Netz. Dazu zählen auch Fehlentwicklungen und Missbräuche wie die Chancen, die sich durch die globalisierte Vernetzung weltweit ergeben. 

Zunächst wird thematisiert, wie sich die sozialen Medien in den letzten Jahren entwickelt haben. Dabei ist das Neue an der Digitalisierung, dass die sozialen Medien eine Kommunikation ermöglichen, die von Raum und Zeit gelöst ist. 

Twitter beispielsweise ist ein Microblogging-Dienst mit dem maximal 140 Zeichen Echtzeitkommunikation ermöglicht wird. Dieser Dienst sei zu einem unübersehbaren Faktor der Medienlandschaft geworden. Als Nutzer des Dienstes kann ich das  nur bestätigen.

Die Autorin erklärt wie Twitter aber auch Facebook funktionieren und erläutert in der Folge, was man in Internetzeiten unter dem Begriff Privatheit versteht. Auch geht Schade der Frage nach, was ein Shitstorm ist und ob er sich vermeiden lässt. Ferner lotet sie aus wie es sich mit Hate Speech und anderen Seiten negativer Kommunikation verhält und ergründet, wieso die einen im Netz zu Kritikern und die anderen zu Experten werden. Zudem werden die Chancen des Internets aufgezeigt wie auch die Strategien für eine empathische Debattenkultur im Netz erörtert. 

Das alles verhilft  tatsächlich zu mehr Überblick.

Spannend sind die Fragen und Antworten im Interviewteil, nicht zuletzt im Hinblick auf die Macht der Algorithmen bei unserer Kommunikation. Diesbezüglich habe ich viel Wissenswertes durch das Buch erlernt.

Empfehlenswert. 

Helga König

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Digitale Verrohung?: Was die Kommunikation im Netz mit unserem Mitgefühl macht

Rezension: OSIRIS- Das versunkene Geheimnis Ägyptens-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "OSIRIS- Das versunkene Geheimnis Ägyptens", die noch bis zum 13.8. 2017 in Zürich im Museum Rietberg gezeigt wird. 

Ungefähr 300 Statuen und Kultgegenstände, Sarkophage und Götterbilder wie auch teils monumentale Objekte aus sechzehn Jahrhunderten, geborgen bei Unterwassergrabungen vor Alexandria, beleuchten die Legenden um Osiris und die Geschichte Ägyptens. 

Der textreiche und dabei reichbebilderte Katalog (über 200 Abbildungen) beginnt mit Informationen über den ägyptischen Gott Osiris. 

Unter den Fotos sind viele bislang unveröffentlichten Unterwasseraufnahmen der Ausgrabungen des Instituts Europeén d Archéologie Sous-Marine (IEASM).

Thematisiert werden die religiösen Zeremonien des verstorbenen und wiederbelebten Gottes Osiris. Dabei werden die Geheimnisse der Osiris-Mysterien von Thonis-Herakleion und Kanopus und die Rituale, die durch die Wiedergeburt des Gottes, den stets wiederkehrenden Reigen der Jahreszeiten, den Wohlstand und die Einheit des Landes als auch die kontinuierliche dynastische Nachfolge der Pharaonen sichern sollten. 

Ein beeindruckendes Buch, das den Leser und Bildbetrachter in eine längst vergangene Zeit führt, die uns staunen lässt.

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: The Germans- Stil und Ikonen einer Nation- Silke Wichert, Nina Zywietz

Dieser Lifestyle-Bildband befasst sich mit der Stilgeschichte der Deutschen in Sachen Mode, Wohnen, Politik sowie auf Reisen. Neben einer Fülle interessanter Fotos enthält das Buch Texte namhafter Autoren, die sich mit Stilfragen beschäftigen. Den Anfang nimmt dabei Oliver Jahn, der Chefredakteur von AD-Architektural Digest. Er befasst sich in seinem Text mit dem deutschen Wohnzimmer und erzählt hier eine Anekdote aus Albert Einsteins Leben, der sein Sommerhaus nicht mit Bauhausmöbeln einrichten ließ, weil eine solche Einrichtung ihn angeblich an einen Operationssaal erinnerte, sondern mit Möbeln aus seiner Berliner Wohnung.

An dieser Anekdote macht der Autor Alltagsrealität fest, die sich nicht selten anders zeigt, als Architekten, Designer und Berufsästheten einer ganzen Generation sich dies vorstellen. Erwähnt wird eine Umfrage der Werbeagentur Jung von Matt aus dem Jahre 2004, die dokumentiert, was die Deutschen am meisten für ihre Wohnung kaufen. Die Aufzählung der Gegenstände ist sehr erhellend, auch ein wenig niederschmetternd. Selbst die Abgrenzung vom Gängigen erweist sich statistisch als durchschnittlich. Deutsche Gemütlichkeit erinnert noch immer Loriot-Karikaturen.   

Man erfährt Wissenswertes über die internationale Erfolgsgeschichte des "Bauhaus" und wundert sich, weshalb dieser Stil in Deutschland erst seit ein paar Jahren in Mode gekommen ist.

Sehr eloquent ist das Interview mit der Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Vinken, das den Titel trägt "Warum kleiden sich die Deutschen, wie sie sich kleiden?" Dann liest man über die Anfänge der deutschen Vogue, lernt deutsche Vorzeige-Modelle kennen, unter ihnen auch Veruschka von Lehndorf und Nadja Auermann. Ein Foto von der damals jungen Modemacherin Jil Sander beeindruckt und will an deren erstes Parfum "Jil Sander Woman pur“ erinnern. Wie lange ist das her…?

Linda Horbach berichtet darüber, wie deutsche Frauen einkaufen. Hier liest man, dass es diesen Frauen um Nachhaltigkeit geht und ihnen Qualität wichtig sei. Funktionalität sei ebenfalls von Bedeutung und so wundert es nicht, dass die typisch deutsche Frau am liebsten flache Schuhe trägt.

Deutsche Prominente werden gezeigt, unter ihnen der Schauspieler Daniel Brühl, auch die Maler Gerhard Richter und Neo Rauch. Ein schönes Bild von der Kanzlerin offenbart eine besonders sympathische Seite der deutschen Frau: Mütterliche Fürsorge seit sie sich nicht mehr durch Johanna Harrar in die Irre führen lässt.

Sport ist ein weiteres Thema. Hier gibt der Philosoph Gunter Gebauer ein Interview und man erfährt von der Tennislegende Stan Smith mehr über den ersten Turnschuh aus Leder.

Dann wird die Musik der Deutschen thematisiert und erläutert, weshalb Techno gerade in Deutschland eine Massenbewegung wurde und man hat u.a. Gelegenheit ein Interview aus dem Jahre 2004 mit dem 2015 verstorbenen Musiker James Last zu lesen, der offenbar ein sehr toleranter Mensch war. Auch über die erfolgreichste deutsche Rockband "Scorpions" liest man Wissenswertes und nicht zuletzt über Nena, die mit ihrem Song "99 Luftballons" einst weltweit an der Spitze der Charts stand. 

Schließlich wird noch die Stilsicherheit von Politikern  unter die Lupe genommen und man erfährt von dem Gastronom Boris Radczun Näheres über deutsches Essen und die Deutschen beim Essen. Dies und manch anderes rundet das Bild über die Deutschen ab, von denen ich mir wünschte, sie wären etwas Französischer in ihrem Stilempfinden und nicht so sehr auf Perfektion und Natürlichkeit fixiert.  Das lässt die Deutschen letztlich ziemlich hausbacken erscheinen.  Sei`s drum, auch das verrät  Stilsicherheit.

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Was für Lebewesen sind wir? Noam Chomsky Suhrkamp

Der Autor dieses Buches ist der 1928 in den USA geborene emeritierte Professor für Linguistik und Philosophie Noam Chomsky. Er gilt als Begründer der modernen Linguistik und des Weiteren als einer der Gründerväter der Kognitionswissenschaften. Zudem ist er einer der meist gelesenen politischen Denker dieser Welt. 

Suhrkamp bezeichnet das vorliegende Werk als die philosophische Summe von Chomskys Leben, denn er bringt hier erstmals seine großen Themen zusammen und begibt sich auf die Suche nach dem Wesen des Menschen. 

Das Vorwort zu dem sehr komplexen Werk hat Akeel Bilgrami verfasst.

In den vier dann folgenden Kapiteln beantwortet Chomsky die Fragen:

Was ist Sprache? 
Was können wir verstehen? 
Was ist das Gemeinwohl? 
Die Geheimnisse der Natur- Wie tief verborgen?

Im ersten Kapitel geht es dem Autor darum, eigene grundlegende Ideen im Bereich der theoretischen Linguistik und der Kognitationswissenschaft darzulegen. Chomsky zeigt die Fortschritte auf, die in vergangener Zeit erzielt wurden und macht deutlich, dass noch viel getan werden muss. Zudem schreibt er von den Veränderungen der Perspektive, von denen die bedeutsamsten erst im Verlauf der vergangenen 10 Jahre stattfanden. 

Fragen müssen wir uns, was Sprache ist, um uns u.a. den evolutionären Ursprüngen der Sprache nähern zu können. Für Chomsky ist klar, dass wir nur das wissen, was die menschliche Sprache zu denken gestattet. Bei allen schenkt uns Sprache eine kreative Freiheit, die uns freie Entfaltung suchen lässt. 

Wie Chomsky schreibt sei die Sprache nun 2500 Jahre intensiv und produktiv erforscht worden, ohne dass klar beantwortet worden sei, was Sprache eigentlich ist. Der Autor sagt zur Grundeigenschaft der Sprache: "Jede Sprache stellt ein unbegrenztes Spektrum hierarchisch strukturierter Ausdrücke zur Verfügung, die an zwei Schnittstellen interpretiert werden: einer sensomotorischen für die Externalisierung und einer konzeptiuell- intentionalen für geistige Prozesse". 

Die Grundeigenschaft macht eine Berechnungsprozedur möglich. Das hat eine zweifache philosophische Bedeutung, die näher erläutert wird.

Ein sehr anspruchsvolles Buch, das Hintergrundwissen voraussetzt.

Empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Es werde Licht- Die Einheit von Geist und Materie in der Quantenphysik- Frido Mann/ Christine Mann- S. Fischer

Die Schulpsychologin Christine Mann ist die Tochter des Physikers Werner Heisenberg. Sie befasst sich seit langer Zeit mit dem Verhältnis von Physik und Theologie. Frido Mann ist der Enkel des Schriftstellers Thomas Mann, Der Psychologe lebt heute als freier Schriftsteller in München.

Das Autorenteam zeigt im Rahmen von sechs hochspannenden Kapiteln, wodurch eine ganzheitliche Sicht der Welt und des Menschen möglich wird. 

Unser heutiges materielles Weltbild sei eine Reaktion einer zu Beginn der Neuzeit einsetzenden Emanzipation aus der jahrhundertelangen kirchlichen Bevormundung unseres Denkens. Sie entstand aufgrund eines idealistischen, vollständig aufklärungs- und naturwissenschaftsfeindlichen theologischen Weltbildes. Heute nun befinden wir uns offenbar erneut an einer Weggabelung aufgrund der Erkenntnisse der Quantenphysik.

Die Autoren möchten in ihrem Werk den durch die Quantenphysik herbeigeführten Umbruch in der Naturwissenschaft und die daraus resultierenden Folgen für unser Denken und Handeln aufzeigen. Sie thematisieren deshalb die weltanschauliche wie auch technische Bedeutung der Quantenphysik in unserer Gesellschaft, um auf diese Weise den offenbar falschen Gegensatz zwischen "Idealismus" und "Materialismus" aufzulösen. 

Das Buch bewegt sich, so die Autoren, auf einer Gratwanderung zwischen empirisch gesicherten naturwissenschaftlichen Fakten, ohne dabei primär eine naturwissenschaftliche Abhandlung zu sein und zudem auf weit greifenden, gedanklichen Schlussfolgerungen mit einer neuen Sicht des Bewusstseins. 

Die Konsequenzen aus dieser neuen Sichtweise kommen zum Schluss zur Sprache.

Dies ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dem Leser verdeutlicht, warum als Folge des quantenphysikalischen Denkens eine "organismische Kulturvielfalt" notwendig ist, die möglicherweise endlich den empathischen Menschen hervorzubringen vermag wie auch zu einer Grundhaltung im Zeichen einer ganzheitlichen Verbundenheit des Menschen mit allem Lebendigen anregen soll. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: 33 Gesetze der Strategie- Robert Greene- dtv

Vor vielen Jahren habe ich die Werke "Die 24 Gesetze der Verführung" und "Die 48 Gesetze der Macht" von Robert Greene gelesen und fand beide Bücher überaus empfehlenswert. Die Publikation die "33 Gesetze der Strategie" ist jetzt als Taschenbuch im bei dtv erschienen und hat mich ebenso gefesselt wie die beiden anderen Bücher, weil dieses Werk sehr anschaulich erläutert, wie man Konflikte durch kluge Strategien erfolgreich löst. 

Bei den 33 Gesetzen der Strategie handelt es sich  konkret um 33 strategische Maßnahmen, die bei der Durchführung eines Vorhabens oder zur Verhinderung von Nachteilen eingesetzt werden können.

Die aufgezeigten Maßnahmen werden jeweils zu Beginn im Einzelnen kurz umrissen, dann wird immer sehr gut erläuternd auf die jeweilige Strategie eingegangen. Auf den Seitenrändern der Texte sind zudem Überlegungen von Strategen und Philosophen eingebunden. Jede Maßnahme entspricht einem Symbol, über das man auch aufgeklärt wird und zum Schluss jeder Maßnahmenbeschreibung erfährt man etwas darüber, wer  ihr Garant  ist. 

Dass die Großmeister der Strategie  in der Regel  berühmte Feldherren waren, hat zur Folge, dass wenn  von Strategien die Rede ist, das Wort "Krieg" fällt. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, sondern trotz dieser Tatsache das Buch aufmerksam studieren. 

Man lernt viel zu durchschauen, was nicht nur im Berufsleben nützlich ist. 

Untergliedert sind die 33 strategischen Maßnahmen in 5 Teile 
Der Krieg gegen uns selbst 
Krieg in Organisationen
Defensive Kriegsführung 
Offensive Kriegsführung 
Unkonventionelle (schmutzige) Kriegsführung 

Damit Sie eine Vorstellung davon haben, um welche Maßnahmen es geht, nenne ich an dieser Stelle:
Die Strategie des geistigen Guerillakrieges
Die Strategie der Passivität
Die Strategie des diplomatischen Krieges
Kommunikationsstrategien
Die passiv-aggressive Strategie

Es stimmt, wenn Robert Greene schreibt, dass man seinen Geist stählen muss, um innere Disziplin zu erlangen, zerstörerische Emotionen- wie Angst- in Konflikten darf man nicht zulassen. Sich immer wieder Konflikten zu stellen und schwierige Situationen zu durchstehen, lässt unseren Geist kampferprobter reagieren und Konflikte besser lösen. 

Man muss begreifen, dass es sich nicht lohnt, gegen Dummköpfe zu kämpfen, die uns auch im Alltag attackieren können. Unsere Zeit und Energie hat Grenzen. Man muss lernen, sparsam damit umzugehen. Lernen muss man Panikgefühle zu reduzieren, indem man sich auf einfache Aufgaben konzentriert, denn sie minimieren Angst und die Auswirkungen einer überaktiven Fantasie. 

Alle 33 strategischen Maßnahmen hier im Rahmen der Rezension zu benennen oder gar auf sie einzugehen, ist unmöglich. Immer wieder darin zu lesen oder es sogar griffbereit aufzubewahren, halte ich für wichtig,  nicht zuletzt um strategisches Verhalten zu durchschauen und klug darauf zu reagieren.

Sehr empfehlenswert 

Helga König
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Rezension: Wirtschaftsrecht für dummies- André Niedostadek

Dieses rund 500 Seiten umfassende Werk hat Prof. Dr. André Niedostadek verfasst. Er lehrt Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz. 

"Für dummies" ist eine umfangreiche Reihe von Sachbüchern im Taschenbuchformat. Der Autor legt mit "Wirtschaftsrecht für dummies" sein 4. Buch in der Serie vor. Untergliedert ist es in 8 umfangreiche Teile. Diesen ist eine sehr gute Einführung vorgeschaltet, die man aufmerksam lesen sollte, um zu begreifen, was das Buch möchte und wie es aufgebaut ist. 

Dem Juraprofessor geht es darum, dass der Leser sich die wichtigsten Teilgebiete des Wirtschaftsrechts erschließen und sich mit juristischer Denk- und Arbeitsweise vertraut machen kann. Niedostadek weist darauf hin, dass sein Werk sich darüber hinaus eignet, vor Prüfungen Eckpunkte des Stoffs zu wiederholen. Generell konzentriere sich das Werk auf das grundlegende Know-how, die wesentlichen Richtlinien. 

Der Autor verwendet eine Reihe von Symbolen, die er in der Einführung gut erläutert. So gibt es u.a. ein Symbol, das ein Schild mit der Aufschrift  "Beispiel" enthält. Man findet es dort, wo anhand kleiner Fallbeispiele abstrakte Regelungen durch diese veranschaulicht werden. Ein anderes Symbol zeigt eine Handgranate. Die damit gekennzeichneten Textpassagen weisen auf Fallstricke im Wirtschaftsrecht hin. 

Aufgebaut ist das Werk in folgende Teile: 

Ihr Einstieg ins Wirtschaftsrecht 
Im Fokus: Das Privatwirtschaftsrecht
Meilenstein des bürgerlichen Rechts 
Kernfragen des Handels- und Gesellschaftsrecht 
Grundzüge des Arbeitsrechts 
Geistiges Eigentum, 
Wettbewerbs- und Kartellrecht 
Außergerichtliche Konfliktlösung, Prozess- und Insolvenzrecht 
Der Top-Ten-Teil 

Diesen Teilen sind insgesamt 24 Kapitel zugeordnet.

In den ersten beiden Kapiteln lernt man sich im Wirtschaftsrecht zurechtzufinden und zu verstehen wie die Rechtsanwendung funktioniert. Es geht u.a. darum, wirtschaftliche Arbeitsfelder zu benennen und zu erfassen, welche Berufsgruppen sich in der Praxis mit Wirtschaftsrecht beschäftigen. Alsdann lernt man wirtschaftsrechtliche Hilfsmittel kennen, mit Gesetzen umzugehen und die Technik der Subsumtion zu begreifen. Erläutert wird der Unterschied zwischen Gutachten- und Urteilsstil. 

In der Folge steht das Wirtschaftsprivatrecht im Fokus. Hier geht es darum, die Rechtsfähigkeit natürlicher und juristischer Personen zu beurteilen, die Bedeutung von Unternehmern, Verbrauchern und Kaufleuten zu erfassen und Gegenstände des Wirtschaftsrechts zu erkennen. Am Beispiel von "ebay" wird gezeigt, wann ein Verhalten unternehmerisch und wann noch privat ist. 

Man erfährt, was ein Schuldverhältnis ist und wie Schuldverhältnisse entstehen und enden und kann sich über die Bedeutung eines Vertrags kundig machen. Es führt zu weit, auf all die Informationen im Buch einzugehen oder auch nur den Inhalt der Zusammenfassungen einzelner Kapitel hier nochmals verkürzt wiederzugeben. Was man wissen muss und was übrigens sehr gut erläutert wird, ist wie man einen Vertrag abschließt, auch wie man ihn anfechtet, von ihm zurücktritt, ihn widerruft und kündigt. 

Man lernt zudem Vertragstypen kennen, auch solche wie den Leasingvertrag und kann sich kundig machen, wie man Probleme im Vertragsrecht löst. Sachenrecht ist ein weiteres Thema. Sich mit dem Eigentumsrecht auseinanderzusetzen, schadet nicht und auch mehr über Unternehmensfinanzierung in Erfahrung zu bringen,  ist für alle wichtig, die ein Unternehmen gründen oder schon führen. 

Die Kernfragen des Handels- und Gesellschaftsrechts lernen Kaufleute bereits in ihrer Ausbildungszeit zu beantworten. Sich hier abermals kundig zu machen, ist sinnvoll. Erlerntes Wissen, was man nicht nutzt, vergisst man leider allzu rasch, selbst bei gutem Gedächtnis. Wer weiß nach Jahren schon noch, wie das Außenverhältnis einer OHG ausschaut? 

Sehr gut sind die Grundzüge des Arbeitsrechts abgehandelt. So liest man zunächst, worin sich das Individualarbeitsrecht und das Kollektivarbeitsrecht unterscheiden, erfährt mehr über die Grundzüge der betrieblichen Mitbestimmung und auch über die Aufgaben und Rechte des Betriebsrats.

Im Kapitel 18 schließlich geht es um geistiges Eigentum, Patent- und Gebrauchsmusterrecht. Das ist insofern spannend, weil man sich hier auch hinsichtlich des Urheberrechts kundig machen kann. Es handelt sich beim Urheberrecht um einen Teil des geistigen Eigentums. Das Recht gilt nicht nur für Kunstschaffende, sondern beispielsweise auch für Sprachwerke, Schriftwerke, Reden und Computerprogramme. So kann ein Urheber darüber bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist. 

Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod. Auch das sollte man wissen und man sollte wissen, dass bei der Verletzung des Urheberrechts Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche drohen.

Zum Schluss lernt man noch zehn Tipps kennen, wie man das Studium des Wirtschaftsrechts vereinfacht.  Solche Tipps muss man sich stets gut merken.

Nach der Lektüre des Werks ist dem Leser klar, dass er einen guten Kauf getätigt hat und auf viele Fragen, die sich im Arbeitsalltag auftun, kluge Antworten findet. Wer weiß schon, was eine "Wortmarke" ist und dass selbst ganze Werbeslogans hierunter fallen?

Alles in allem ein äußerst hilfreiches Werk, das ich gerne weiterempfehle. Wissen, wo etwas steht, was weiterhilft, ist das A und O, wenn es  Probleme zu lösen gilt.

Helga König

Das Buch ist überall im Fachhandel erhältlich

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Rezension: Was wenn alles möglich wäre? Magic Victoria- teNeues

Die Autorin dieses bemerkenswerten Buches ist Magierin. Die studierte Betriebswirtin Magic Victoria hält Vorträge zum Thema "Ideen sind die Magie hinter jedem Erfolg". Näheres zu ihrem Tun kann man ihrer Internetseite www.magicvictoria.de entnehmen. 

Die einzelnen Kapitel des eloquent verfassten Werkes sind aufeinander aufgebaut. Zunächst erfährt man - nach kurzweilig zu lesenden autobiographischen Schilderungen- etwas über die Magie des Anfangens. Goethe auch Hermann Hesse haben sich zu dem Thema geäußert und Magic Victoria weiß ebenfalls zu besagter besonderen Magie Kluges beizusteuern. Sie reflektiert nicht nur dieses Phänomen, sondern stellt zudem den Begriff Realität zur Disposition. Jene sei nicht für alle Menschen auf die gleiche Weise real, denn dies, was man als Realität empfindet, sei abhängig von der Vorprägung, seinen Erfahrungen, seiner aktuellen Stimmung, seinem Alter, dem Umfeld und der Art, wie wir sie interpretieren. 

Es gehe darum, die richtigen Voraussetzungen für unsere kreative Realität zu schaffen. Das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, nimmt zu. So viel ist klar.  Auch dies ist offenbar Magie. 

Magie benötigt u.a. die Präsenz in der Gegenwart und manches andere mehr. Doch es soll nicht zu viel verraten werden. 

Spannend sind alle Kapitel, speziell auch jenes, was das Timing anbelangt. Es gibt übrigens nicht den richtigen Zeitpunkt für einen Beginn, weil es stets der richtige Zeitpunkt ist anzufangen. Das leuchtet ein. 

Interessant fand ich das Kapitel über die Macht er Umgebung. Von sogenannten "Master-Mindgruppen" ist die Rede, deren Teilnehmer über sich hinauswachsen können, indem sie sich gegenseitig herausfordern, Ideen brainstormen und einander helfen. 

Welche Menschen sind gut für uns und sind wir auch gut für andere? 

Magie entsteht, wo Liebe im Spiel ist. Das wissen wir alle.  Auch für die Liebe zu einer Tätigkeit gilt dieses Gesetz. 

Was entspannt uns, tut uns gut? Was setzt Kräfte frei? Was lässt  die Dinge fließen? 

Wie das Buch zeigt, spielt Magie eine große Rolle, wenn wir Unmögliches möglich machen. Es scheint das Wissen um die Dinge des Lebens zu sein, das Betrachten, das Fokussieren, das gelassene Heranziehen, um es zu bestaunen. 

Magie ist dort, wo alles fließen kann......Magie verträgt sich nicht mit Blockaden, nicht mit Zwang, nicht mit Grenzen. Magie ist dort, wo Raum für Traum ist.

Sehr empfehlenswert.

Helga König